Bewusstheit ist ein Aussichtspunkt, eine Warte, von der aus du dein Wesen überblickst


Eigenschwingung

Eigenschwingung oder Eigenresonanz ist etwas Spannendes. Wenn man beispielsweise ein Glas mit seiner Eigenfrequenz beschallt, kann es zerspringen. 

Eigenschwingungen können grosse Gefahren bei Bauwerken darstellen. So ist zum Beispiel in all den grossen Hochhäusern eine Schwingungsdämpfung in Form eines grossen Pendels eingebaut. Es soll das Schwingen in Eigenfrequenz verhindern. Das Gebäude würde einstürzen. Diese Schwingung könnte durch Erdbeben oder vor allem durch Windböen entstehen. 

Bei Brücken ist das ebenfalls ein Problem, vor allem bei Hängebrücken. Eine Brücke in England soll eingestürzt sein, nachdem eine militärische Formation im Gleichschritt darüber marschierte.  Aber auch Seile von Luftseilbahnen oder Hochspannungsleitungen müssen Schwingungstilger haben, damit sie nicht in Eigenschwingung geraten.

Analog können auch wir Menschen in Schwingung gebracht werden. Wenn wir fröhlich sind, sagen wir, wir seien beschwingt. Je nach Sensibilität bringen uns Erlebnisse in Schwingungen, auch in weniger lustige, heftige. Wir können Angst bekommen, uns Sorgen machen, uns ärgern, neidisch, traurig werden. Das alles sind auch Formen von Beschwingtheit.

So sehe ich auch eine Gefahr durch „Eigenschwingung“ oder „Eigenresonanz“. Wir können durch ein Erlebnis dermassen in Aufruhr geraten, dass es in uns zerstörerisch wirkt. Wir müssen diese Schwingungen Dämpfen lernen. Ein gutes Beispiel dafür ist Eifersucht. Es beginnt mit einem Verdacht. Jetzt sucht die betroffene Person weiter nach Fakten, die den Verdacht bestätigen. Sicher gibt es solche, aber auch andere. Durch die gezielte Auswahl der verdachts-bestätigenden Fakten kann sich diese Person nun so in eine Emotion hineinsteigern, die die Beziehung scheitern lässt.

Um sich so hineinsteigern zu können, braucht es eine Vorprägung, also ein ähnliches Erlebnis, welches dem Erleben sozusagen den Weg vorgibt, den es zu gehen hat. 

Dass man diesen musterhaften Weg einmal mehr eingeschlagen hat, merkt man meistens erst hinterher. Wir merken dann: Irgend etwas Unbewusstes hat in uns gesiegt, und uns seinen Willen aufgedrückt. 

Das muss nicht unbedingt sein. Diese Eigenschwingung können wir dämpfen. Dazu braucht es viererlei:

1. Einhalten: 
Stoppen, Unterbrechen, Durchatmen
2. Achtsamkeit: 
Merken, was abgeht. Ich bin jenseits des Angemessenen! Deuten können: Muster?
3. Verständnis: 
Den Hintergrund des Geschehens verstehen. Sich verstehen, mit sich Frieden schliessen. Keinesfalls inneren Krieg führen: „Ich will das loswerden“. Etwas loswerden wollen funktioniert nie!
4. Erfahrungen sammeln: 
Was löst solche Reaktionen aus? Wie kann ich es evtl. vorausahnen? Gelassenen Umgang lernen: Ich kann es aushalten.

Damit sind wir wieder bei der Meditation angelangt. Sie ist der grosse Schwingungsdämpfer. Sie rückt vieles ins rechte Licht. Sie holt uns aus den vielen emotionalen Schwingungen und deren Illusionen zurück in die Realität. In die Gegenwart. In die Ruhe.


Poller

Wenn eine Fähre vom Meer in einen Hafen einfährt, geht meistens folgendes Szenarium los: Vom Heck, oder dem Teil des Schiffs der ans Ufer kommen muss, werden mit einem Ball beschwerte Leinen hinuntergeworfen. Das meistens von beiden Seiten. Diese Leinen werden von einer Person am Ufer entgegengenommen. Diese Person zieht nun an dieser Leine ein dickes Tau vom Schiff zu sich. Am Ende dieses Taus ist eine Grosse Schlaufe eingespleisst. Diese Schlaufe wird nun über einen dicken metallenen Pfosten gelegt. Dieser Pfosten ist relativ niedrig und hat oben meist eine Verdickung, damit das Tau nicht abrutschen kann. Und er ist in der Kaimauer einbetoniert. Dieser metallene Pfosten nennt sich Poller.

Sobald das dicke Tau über diesen Poller gelegt ist, wird das Tau auf dem Schiff gespannt. Die Fähre wird jetzt mit diesen dicken Seilen an den Kai herangezogen, und die Fähre ist sicher im Hafen festgemacht. Jetzt wird die grosse Heckklappe, die zugleich Landungsrampe ist, abgesenkt und die Passagiere können aus- und einsteigen, die Autos und Lastwagen können aus- und einfahren. Das ist die Ursprüngliche Bedeutung für Poller. Heute werden Poller auch als Absperrung aufgestellt etc.

Das Schiff, das am Poller festmachen muss, um sicher zu sein, ist für mich auch ein Bild für uns als Personen. Wir suchen in emotionaler oder wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher Unsicherheit auch so etwas wie einen Poller, etwas Festes, woran wir uns halten können.

Seit Beginn der Corona-Massnahmen erlebe ich ein emotionales Kesseltreiben fast biblischen Ausmasses. Dort wird ja auch vor falschen Propheten gewarnt. Ist Corona jetzt tatsächlich eine Gefahr, oder nur ein «Grippchen»? Ist es nur eine Erfindung mit der sich irgendwelche Mächte nur bereichern wollen oder gar die Weltherrschaft übernehmen wollen? Will sich jemand mit Corona die Krone aufsetzen und uns beherrschen und uns die Freiheit nehmen? Und seltsamerweise gibt es für alle diese Meinungen offenbar irgendwelche Beweise, man muss nur 2+2 zusammenzählen. Was gilt denn noch? Was ist wahr? Eine Meinung jagt die andere, und jede ist emotionaler als die andere. Unser Schiff droht den Halt zu verlieren.

Was könnte für uns in dieser Verwirrung dieser Poller sein?

Der Poller ist die Gegenwart, resp. unser Gewahr-Sein dessen, wer wir sind, resp. das Wissen darum, welche Emotionen uns von uns selbst wegtreiben wollen.

Das tönt vielleicht seltsam, wenn ich sage, ich müsse mich an mich selbst binden. Ich muss mir selber Poller sein. Weil damit stehe ich allein da und habe eine gewaltige Verantwortung.

Ich sags mal so: Die Ruhe, die wir suchen, ist wie die Leine, welche die Matrosen vom Schiff herunterwerfen. Sie ist eine erste feine Verbindung zum festen Ufer. An ihr hängt als dickes Tau das Durchatmen, welches uns mit unserer Realität verbindet und an den Poller der inneren Gewissheit gehängt wird. Und an diese Gewissheit können wir uns heranziehen, indem wir nichts anderes tun, als atmen, den Atem spüren und immer weiter ruhig werden. Das ist unsere erste Verantwortung: Dass wir so zu uns selber zurückfinden. Auch wenn die Hektik spannender scheint, und die Ruhe mühsam.

Wenn wir mit uns verbunden sind – und das geschieht nicht von einer Sekunde auf die andere – sind wir mit dem Ganzen verbunden. Mit der Verbundenheit mit uns werden die Wellen der Hektik und das Erlebte und die Emotionen weniger wichtig, wir können uns auf den Augenblick konzentrieren, auf das Jetzt.

Diese Verbundenheit mit sich selber ist in Zeiten der öffentlichen Hetze und des Aufruhrs umso wichtiger. Nur so gewinnen wir die nötige Distanz dazu und finden Halt in uns selber. Dann sind wir auch wieder fähig, uns zu öffnen und in Austausch zu treten.

Das dich mit dir Verbinden durch den Atem, ist zuerst eine mühselige rationale Angelegenheit. Ich muss immer darauf achten, zum Atem zurückzukommen. Es geht so vieles durch den Kopf, wie wir sagen, eigentlich geht es durch unsren ganzen Körper hindurch. Aber mit der Zeit ebbt das ab, und du kannst länger einfach beim Atem sein.

Wenn du dies öfters übst, kehrt eine Freude an dir selbst in dir ein. Und du kannst spüren, wie dich die Verbundenheit mit dir mit dem Segen der Selbstliebe überschüttet. Die Verbundenheit mit dir weist weit über dich hinaus in eine universelle Verbundenheit.

Du kannst gelassen der Welt begegnen, weil du am Poller der Verbundenheit mit dir fest verankert bist.


Zeit

In unseren Körpern erleben wir Zeit als linear. Die Zukunft kommt, die Vergangenheit entfernt sich. Zeit ist eine lineare Konstante.

Als Bild für die Zeit stelle ich mir einen Wasserfall in einem Fluss vor. Der Wasserfall verkörpert die Gegenwart. In der Gegenwart stürzt sich die Zukunft sozusagen in Vergangenheit. Die Zukunft fliesst heran und stürzt im Wasserfall der Gegenwart in die Vergangenheit und fliesst als solche immer weiter weg.

Mein Leben stelle ich mir vor, wie ein Stück Holz, das im Strudel dieses Wasserfalls ständig herumgewirbelt wird. Mal schwimmt es obenauf, dann wird es im Sog der Wasserwalze wieder hinuntergezogen und taucht wieder auf. Dieser Strudel lässt das Holz nicht los. Es kommt nicht raus.

Die Zukunft kommt manchmal als leiser Bach daher, manchmal wild und übermächtig. Manchmal schwimmt das Holz in ruhigem Wasser obenauf, manchmal wird es im Getöse umhergeworfen, geschüttelt, überspült und umschäumt.

In der Gegenwart verbringe ich mein Leben, ähnlich wie dieses Holzstück im Wasserfall. Manchmal schwimme ich ruhig obenauf, manchmal werde ich geschüttelt und gerüttelt, dass ich kaum mehr Atem holen kann.

Die Gegenwart, das Jetzt, ist übrigens für alle Menschen gleich. Im Jetzt ist uns niemand voraus und niemand hinkt hinterher. Jetzt ist für alle jetzt. Ob in Afrika oder China, ob in Australien oder Europa. Auch wenn an anderen Orten jetzt Tag ist, und bei uns Nacht, ist das Jetzt für alle das gleiche Jetzt. Ob jemand schläft oder wach ist, ob er Sport treibt oder am Computer sitzt, ob er Science Fiction ausdenkt oder Geschichtsstudien betreibt: Jetzt ist für alle jetzt.

Jetzt-Zeit ist Entwicklungsraum für die Seele. Zeit ist ein Segen. Am segensreichsten ist es, wenn wir möglichst im Jetzt sind, in der Gegenwart. Das fällt uns gar nicht so leicht, weil uns Gedanken und Emotionen aus der Erinnerung, also aus der Vergangenheit beschäftigen oder Hoffnungen, Pflichten und Pläne aus der Zukunft. Wie wahr und wie wichtig das alles ist, sagt das jetzt. Das Jetzt ist der Boden, der uns aus den Aufregungen des Strudels innerlich zur Ruhe bringt, und uns je länger desto mehr mit uns selber in Frieden und Harmonie bringt und mit allen Menschen eint.